Ein Stuhl belegt am Tisch 0,50 m Tiefe. Ein Rollstuhl braucht 1,50 m. Nimmst du für Onkel Bernd an Tisch 12 einen Stuhl weg, entsteht daraus trotzdem kein Platz für ihn. Er braucht eine eigene Fläche im Plan, 0,90 m breit und 1,50 m tief, an einem Tisch ohne Zarge und an einem Weg ohne Stufe.
Aus 0,50 m Stuhltiefe werden 1,50 m
Ein Stuhl rutscht nach dem Essen halb unter die Platte. Ein Rollstuhl bleibt, wo er ist. Er misst mit Fußstützen rund 1,20 m, und du rechnest deshalb mit 1,50 m Tiefe je Platz, damit Onkel Bernd auch wieder herauskommt.
Was ein Rollstuhlplatz am Rundtisch wirklich kostet
- Tischplatte, Durchmesser
- 1,60 m
- Stuhltiefe je Seite
- 0,50 m
- Durchgang hinter dem Stuhl, je Seite
- 0,65 m
- Rollstuhl statt Stuhl, an einer Seite
- plus 1,00 m
- Platzbedarf quer über den Tisch
- 4,90 m
Derselbe Tisch mit acht Stühlen misst 3,90 m. Ein einziger Rollstuhlplatz kostet dich also einen vollen Meter Saal, und zwar an genau einer Seite.
Zeichne den Rollstuhlplatz als Fläche von 0,90 m mal 1,50 m ein, bevor du die Tische stellst.
Die vier Maße, mit denen du planst
0,90 m breit, 1,50 m tief, dazu eine Wendefläche von 1,50 m mal 1,50 m und 1,50 m freie Wegbreite bis zum nächsten Gang. Breite und Wendefläche stehen in DIN 18040-1, der Norm für barrierefreies Bauen. Die beiden anderen Werte sind Planungswerte aus der Bankettpraxis. Sie stehen in keiner Verordnung und fehlen trotzdem in fast jedem Plan.
| Wer | Breite | Tiefe | Woher die Zahl kommt |
|---|---|---|---|
| Gast auf einem Stuhl | 0,60 m | 0,50 m | branchenüblicher Mindestwert je Gedeck |
| Gast im Rollstuhl | 0,90 m | 1,50 m | Breite aus DIN 18040-1, Tiefe als Planungswert |
| Gast mit Rollator | 0,60 m | 0,50 m | sitzt auf einem Stuhl, Rollator steht daneben |
| Begleitperson | 0,60 m | 0,50 m | ein Stuhl wie jeder andere, Platz daneben laut Wetzlarer Merkblatt |
Die Tiefe von 1,50 m steht in keiner Verordnung. Der Wert ergibt sich aus rund 1,20 m Rollstuhllänge plus Luft zum Rangieren, und mit weniger kommt niemand allein vom Tisch weg.
1,50 m
Wendefläche im Quadrat
DIN 18040-1, damit ein Rollstuhl auf der Stelle kehrt
0,90 m
lichte Breite an der engsten Tür
darunter kommt ein Standardrollstuhl nicht durch
2
Rollstuhlplätze als Untergrenze
Merkblatt Stadt Wetzlar, Januar 2020
1,00 m
mehr Saal je Platz am Rundtisch
aus 3,90 m werden 4,90 m
Warum der Tischfuß über den Platz entscheidet
Ein Rollstuhl fährt nur dann an den Tisch heran, wenn unter der Platte 0,67 m Höhe und 0,55 m Tiefe frei bleiben. Beide Werte ergeben sich aus der Sitzhöhe im Rollstuhl. Eine Verordnung nennt sie nicht. Miss sie im Saal selbst nach, bevor du den Tisch vergibst.
Runde Banketttische stehen meistens auf einem Säulenfuß mit vier Armen. Diese Arme liegen genau dort, wo die Fußstützen hin müssen. Kreuzgestelle sind noch schlechter, weil die Streben diagonal durch den Fußraum laufen. Auch die Zarge unter der Platte frisst 5 bis 8 cm, und zwar genau auf Kniehöhe. Am besten passt ein Tisch mit vier Beinen in den Ecken. Frag den Saal nach der Fußform, bevor du Tisch 12 zum Platz für Onkel Bernd machst.
Ein Klapptisch mit Beinen an den Ecken sieht schlechter aus als ein Säulenfuß. Er ist aber oft der einzige im Saal, unter den ein Rollstuhl passt. Hat der Saal nur Säulenfüße, setz den Platz ans Ende einer langen Tafel.
So läuft es meistens
- An Tisch 12 wird ein Stuhl weggenommen, damit ist die Sache erledigt
- Der Platz landet innen, weil außen der Weg zum Buffet läuft
- Der Tisch steht auf einem Säulenfuß mit vier Armen
- Die Begleitperson bekommt einen Stuhl an einem anderen Tisch
So planst du es besser
- 0,90 m mal 1,50 m als eigene Fläche, eingezeichnet vor allen Tischen
- Der Platz liegt außen, mit freier Seite zum Gang
- Der Tisch hat vier Beine in den Ecken und ist unterfahrbar
- Die Begleitperson sitzt direkt daneben und steht so im Plan
Wo im Saal diese Plätze liegen
Der beste Rollstuhlplatz sitzt am äußeren Rand eines Tisches, der selbst an einem Hauptweg steht. Innen zwischen zwei Tischen kommt niemand heraus, ohne dass vier Gäste aufstehen. Halte daneben 1,50 m Wegbreite bis zum nächsten Gang frei, sonst steht der Platz nur auf dem Papier.
- Am äußeren Tischrand, mit freier Seite nach außen
- Höchstens 10 m vom Platz bis zum nächsten Gang, so steht es in § 10 Abs. 6 MVStättVO
- Zwei Meter Abstand zur Kante der Tanzfläche, dort stehen ab 21 Uhr Gäste im Weg
- In Sichtweite des Ausgangs, den du im Notfall nimmst
- Direkt neben der Begleitperson, an derselben Tischseite
- Zwei Tische weg vom Buffet, damit die Schlange nicht am Platz vorbeiläuft
Ein Rollstuhlplatz bleibt nur dann im Plan, wenn er als Fläche eingetragen ist. SOFRANDA zeichnet ihn mit 0,90 m mal 1,50 m auf den Saalplan, so wie einen Tisch. Auf Papier tut es ein Kästchen mit dem Maß daneben.
Wie breit die Wege zwischen allen Tischen sein müssen, steht im Beitrag über die Saalmaße. welche Abstände zwischen den Tischen gelten
Eine Stufe von 5 cm beendet den Abend
Geh den Weg vom Platz bis zur Toilette einmal selbst ab, bevor du den Plan festmachst. Miss die engste Stelle, meistens ist das eine Tür oder ein Durchgang neben der Bar. Unter 0,90 m lichter Breite kommt ein Standardrollstuhl nicht durch.
Am Parkplatz anfangen
Fahr die Strecke vom Behindertenparkplatz bis zur Saaltür ab. Zähl jede Stufe und jede Schwelle über 3 cm.
Die Eingangstür messen
Miss die lichte Breite bei ganz geöffneter Tür, von Zarge zu Zarge. Unter 0,90 m wird es eng, unter 0,80 m geht gar nichts.
Vom Eingang zum Tisch gehen
Nimm den Weg zu Tisch 12 und achte auf Säulen, Kabelbrücken, Buffetkanten und Stehtische. 1,50 m Breite müssen durchgehend frei bleiben.
Die Toilette aufschließen lassen
Frag nach dem barrierefreien WC und geh hinein. In vielen Sälen ist daraus längst ein Abstellraum geworden.
Den Fluchtweg abgehen
Nimm den kürzesten Weg nach draußen. Rampen über 6 Prozent Neigung schafft kaum jemand allein, DIN 18040-1 setzt dort die Grenze.
Jede Engstelle notieren
Schreib jeden Wert mit dem Zollstock auf. 0,78 m an der Terrassentür ist ein Satz, den der Saal versteht.
Wer nicht zur Toilette kommt, geht um 21 Uhr nach Hause.
Wohin mit dem Rollator von Tante Renate?
Ein Rollator wird am Tisch abgestellt und dann nicht mehr benutzt. Er misst rund 0,65 m mal 0,70 m und steht danach irgendwo, meistens im Gang. Plane je Rollator eine Abstellfläche neben dem Platz, sonst schiebt der Service ihn weg und die Besitzerin sucht ihn um 23 Uhr.
Bei den 400 Gästen der Familie Koch kommen sechs bis zehn Rollatoren zusammen. Eine Erhebung dazu gibt es nicht, die Zahl ist geschätzt. Reservier lieber vier Flächen zu viel, sie kosten dich zusammen knapp 2 m².
Frag schon bei der Zusage, wer mit Rollstuhl, Rollator, Gehstock oder Kinderwagen kommt.
Wo dieses Merkmal in einer Liste mit 400 Namen hingehört, klärt der Beitrag zur Gästeliste. wie du 400 Namen samt Merkmalen ordnest
Wie viele Rollstuhlplätze verlangt die Vorschrift?
Die Antwort hängt davon ab, wen du fragst. Die MVStättVO nennt in § 10 Absatz 7 ein Prozent der Plätze und mindestens zwei, gilt aber nur für Räume mit Reihenbestuhlung. Ein Saal voller Rundtische fällt aus diesem Wortlaut heraus. Die Norm für barrierefreies Bauen und das Amt verlangen die Plätze trotzdem.
| Quelle | Gilt für | Wie viele Plätze |
|---|---|---|
| MVStättVO, Fassung Juli 2014, § 10 Abs. 7 | nur Räume mit Reihenbestuhlung | 1 Prozent bis 5.000 Plätze, mindestens 2 |
| H-VStättR Hessen, gleicher Wortlaut | nur Räume mit Reihenbestuhlung | wortgleich mit der MVStättVO |
| DIN 18040-1, barrierefreies Bauen | Versammlungsräume, ohne Blick auf die Bestuhlung | 1 Prozent, mindestens 2, dazu je ein Sitz für die Begleitung |
| Merkblatt Stadt Wetzlar, Januar 2020 | jeder Bestuhlungsplan | 1 Prozent, mindestens 2, dazu Begleitpersonen |
Die belastbare Antwort für einen Saal mit Rundtischen: plane zwei Plätze fest ein. Bei 400 Gästen wären 1 Prozent vier Plätze, und die kosten dich einen halben Tisch.
In jedem Bestuhlungsplan sind die Besucherplätze für Rollstuhlfahrer und deren Begleitpersonen darzustellen.
Die Stadt Wetzlar geht damit über den Verordnungstext hinaus. Für dich heißt das: zeichne die Plätze ein, auch wenn dein Saal nur Rundtische hat. Der Begleiter bekommt dabei einen eigenen Stuhl mit Namen im Plan.
Ob dein Saal überhaupt einen genehmigten Plan braucht, hängt an der Besucherzahl. ob dein Saal einen genehmigten Bestuhlungsplan braucht
Wen du fragst, und wann du fragst
Zwei Menschen wissen, was du brauchst: der Saalbetreiber und der Gast selbst. Frag den Saal acht Wochen vorher nach Türbreiten, Tischfüßen, Schwellen und dem barrierefreien WC. Frag Onkel Bernd danach, ob er lieber außen sitzt oder mitten in der Familie.
Darf ich den Rollstuhlplatz einfach an den Rand stellen?
Ja, das ist sogar die bessere Stelle. Achte nur darauf, dass der Platz nicht im Rettungsweg steht, und halte 1,50 m Wegbreite daneben frei.
Was mache ich, wenn Onkel Bernd nicht außen sitzen will?
Setz ihn an einen Tisch, der selbst außen steht. So sitzt er mitten in seiner Familie und kommt trotzdem ohne Hilfe heraus.
Braucht die Begleitperson einen eigenen Sitzplatz?
Ja, und zwar direkt daneben. Das Merkblatt der Stadt Wetzlar nennt Begleitpersonen ausdrücklich, und ohne Namen im Plan räumt der Service den Stuhl weg.
Reicht es, den Platz am Abend freizuhalten?
Nein. Ein Platz ohne Namen ist um 19:30 Uhr besetzt, meistens von Cousin Emre Şahin aus Chemnitz. Trag ihn ein wie jeden anderen Platz.
Was du zwei Wochen vorher noch prüfst
Der Aushang am Eingang hängt fast immer auf 1,60 m Höhe. Aus dem Rollstuhl liest du dort die unteren drei Zeilen. Der Rest bleibt oben. Häng eine zweite Ausfertigung auf 1,20 m Höhe auf, oder stell jemanden daneben, der die Tischnummer vorliest.
Welche Schriftgröße ein Aushang auf 3 m Abstand braucht, rechnet der Beitrag zum Tischplan vor. wie groß die Schrift am Eingang sein muss
Zwei Wochen vor der Feier fährst du noch einmal in den Saal, mit Zollstock. Dann stehen die Tische schon, und du siehst, wo die 1,50 m fehlen. Miss nach. Am Morgen der Hochzeit stellt der Saal trotzdem um, weil der Caterer eine zweite Buffetlinie braucht.
Schreib die zwei Rollstuhlplätze deshalb mit Tischnummer auf einen Zettel und gib ihn dem Schichtleiter in die Hand. Ein Zettel in seiner Hosentasche überlebt jedes Umstellen.
Quellen und Stand
- DIN 18040-1, barrierefreies Bauen: 0,90 m Breite, Wendefläche von 1,50 m mal 1,50 m, ein Prozent der Plätze und 6 Prozent Rampenneigung (abgerufen im August 2026)
- Musterversammlungsstättenverordnung (MVStättVO), Fassung Juli 2014, § 10 Abs. 6 und Abs. 7 (Fassung Juli 2014)
- Merkblatt der Stadt Wetzlar zum Bestuhlungsplan, Rollstuhlplätze und Begleitpersonen in jedem Bestuhlungsplan (Januar 2020)